Warum immer der bad boy?

 

Sylvie sieht umwerfend aus. Groß, natürlich, blond. Heute sprechen wir über Männer und Sylvie erzählt: „Viele Männer umschwärmen mich. Nette Männer, anständige Männer, einfühlsame Männer, verlässliche Männer. Aber ich lande immer bei den Mistkerlen, den bad boys: Cool, egoistisch, hart, draufgängerisch. Warum nur? Ich mag diese Sorte Mann gar nicht besonders und ich bin realistisch genug zu wissen, dass ich mit so einem Kerl nie eine Familie gründen kann. Doch immer wieder ziehe ich mir so ein tätowiertes Raubtier ins Bett. Furchtbar, oder?“ Ja, warum zieht Sylvie einen sympathischen, ehrlichen, verantwortungsvollen Mann als Partner überhaupt nicht in Betracht?

 

Warum sucht sich Sylvie immer einen bad boy aus?

 

Wir drehen das Thema nach rechts und nach links und am Ende nähern wir uns der Antwort. Ja, das ist es, der bad boy ist cool, selbstbewusst, sicher. Er zeigt keine Ängste und er passt selber auf sich auf. Er spricht es vielleicht nicht aus, aber er strahlt es aus: Um mich musst du dir keine Sorgen machen. Um mich musst du dich nicht kümmern! Wenn es mir zu viel wird, dann sattele ich mein Pferd und reite davon. Und genau das zieht Sylvie an.

 

Um was geht es hier auf der dahinterliegenden Ebene? Es geht um Verantwortung. Ein bad boy zeigt keine Gefühle, er ist nie schwach oder emotional bedürftig. Dieser Mann benötigt keinen Schutz, keine emotionale Rücksichtnahme. Sylvie muss sich nie die Frage stellen, ob sie für ihr Gegenüber emotional zu viel ist oder nicht. Für diese Sorte Mann muss Sylvie keine emotionale Verantwortung übernehmen. Diese Erkenntnis wird Sylvie heute schlagartig bewusst und sie nimmt ihr fast den Atem.

 

Was ist der nächste therapeutische Schritt?

 

In der nächsten Stunde werden wir einen Blick in Sylvies Vergangenheit werfen und der Frage nachgehen, welche Erfahrungen dieses Muster geprägt haben. Wie haben ihre Mutter, ihr Vater oder ihre Geschwister reagiert, wenn sie ärgerlich, aufgeregt, zornig, laut, schwach, ängstlich oder sensibel war? Wann hat Sylvie angefangen eine Seite in ihr zu verstecken? Wann hat Sylvie Strategien entwickelt, andere emotional nicht zu überfordern?

 

Inspiriert zu diesem Beitrag hat mich die Folge „Speak to me in french“ vom 9. Oktober 2017 aus der Podcast-Reihe „Where should we begin?“ von Esther Perel

 


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